Wir brauchen mehr!
Unsere Kultur beruht auf dem Übermaß. (Susan Sontag)
Zwei große Paradigmen prägen unsere zeitgenössische Kultur: Wachstum und Macht. Davon erzählen diese Bilder. Sie sind das Ergebnis meines Zweifels an der Welt im Wachstumswahn und mein persönlicher Bannspruch gegen das Diktat des Immer-Mehr. Andererseits sind sie auch Zeugnisse der Funktionslust, die mit der praktisch unbegrenzten Verfügbarkeit ästhetischer Mittel in digitalen Prozessen einhergeht.
Indem ich Dinge und Begriffe, die meinen Alltag prägen, bis zur Deutungsgrenze reduziere und modifiziere, treten sie den Betrachtern (auch mir selbst) als etwas Fremdes gegenüber. Das Material dieser Werkgruppe – Schlagworte, Floskeln, Zeichnungen und Fotos aus den Tagesnachrichten – verliert mit seinem Kontext auch seine landläufige Bedeutung und offenbart, in welch hohem Maße das, was wir Wirklichkeit nennen, Deutung ist.
Indem sich die Lobpreisungen des Mehr gegenseitig zu überbieten suchen, entsteht Chaos, das oft nur mühsam durch rigide Ordnungsmuster im Zaum gehalten wird. Dabei zerfällt mit der Lesbarkeit der Wörter und Bilder auch ihr kontextueller Gehalt. Wenn wir sowohl mehr Krieg als auch mehr Frieden, mehr Zahnbürsten als auch mehr Autonomie brauchen, dann erodiert Sinn, reduziert sich auf einen einzigen Wert: MEHR VON ALLEM.