Face of Liberty 2023 - digitalARTconcept

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Meine Digitalserie "Face of Liberty" ist der Versuch, den Mechanismen dieser seltsamen Transformation nachzuspüren. Um die verhängnisvolle Verschwisterung von Freiheit und Gewalt zu zeigen, dekonstruiere ich das Bildmaterial mit digitalen Techniken bis zur teilweisen Unkenntlichkeit. Am Ende werden so die allzu plausiblen Antworten zerstört. Nur noch Fragen bleiben.

Die Evangelische Akademie in Bad Boll zeigte die Ausstellung vom 05. Februar bis 30. April 2023. Rede des Philosophen Peter Vollbrecht anlässlich der Vernissage: Das Janusgesicht der Freiheit

Infotainment
Das Fanal ersäuft im Amusement-Kontext

(Bild-)Botschaften, die den aktuellen globalen Kampf um Freiheit in den Fokus rücken, sind wichtig, weil sie uns Informationen liefern, an denen wir unsere Einstellungen und Handlungen selbstkritisch messen können. Deren Einbettung in das Kaleidoskop belangloser Tagesnachrichten aus unserer Konsumwelt korrumpiert jedoch ihre intendierte Funktion. Sobald die Bilder von Krieg, Vertreibung und Umweltzerstörung in in den Sog der Eventindustrie geraten, werden sie ihres kritischen Potentials beraubt und zu gemütlichem Infotainment umgebogen: Das alarmierende Fanal mutiert zu spießiger Unterhaltung.
Bilder von exzessiven "Bildungsreisen" gehören dann ebenso zum abendlichen Entspannungsritual wie die Fluchtszenen im Lybischen Meer. Die pompöse Militärparade auf dem Roten Platz behauptet sich problemlos neben einer Reportage über Zwangsprostitution. Und der Bericht vom Oktoberfest verträgt sich ohne weiteres mit den Bildern des Grauens aus Butscha und Kramatorsk.
In der Ausstellung "Face of Liberty" versuche ich diese verhängnisvolle Verschwisterung von Amusement und Schrecken zu visualisieren, indem ich Bilder aus beiden Sphären miteinander konfrontiere.

Renitency
Freiheit ist das Ergebnis von Mut

Wirksamer politischer Widerstand ist immer auch mit Leitbildern verbunden: Alexej Nawalny, Greta Thunberg, Hadis Najafi, das sind Namen und Gesichter, die in 2022 Millionen Mediennutzer in aller Welt kennen. Meine Bilder der Serie "Renitency" sind zuallererst eine Hommage an diese Ikonen des Widerstandes, an ihren Mut, ihre Integrität und Opferbereitschaft. Sie sind aber auch das Ergebnis meines Entsetzens, meiner Scham und Ohnmacht; denn die "Helden des Widerstands" bewundern, ihnen Erfolg wünschen und ihre Unterdrücker verachten, das ist das eine. Das andere ist: Erkennen, wie ich es mir in der westlichen Wohlfühlwelt bequem gemacht habe. Und wissen: Auch das kann über Nacht enden. Meine Bilder sind Zeugnisse eines kreativen Prozesses, der mir hilft, meine Ängste und Hilflosigkeit zu verarbeiten und diese Wahrheiten und Widersprüche auszuhalten. Zugleich sind sie für mich ständig mahnende Begleiter, wachsam meine eigenen Spuren zu prüfen, die ich in dieser Welt hinterlasse.
Power
Die Macht der Erzählungen

Die praktisch grenzenlose Macht der Bildbotschaften in den Massenmedien liefert uns täglich Parallelwelten, Narrative des Unvereinbaren, die unser Weltbild bestimmen und unser Urteilsvermögen korrumpieren. Sie erzählen vom Unvorstellbaren im Plauderton, machen aus Katastrophen Illustrationen und aus Krieg und Vertreibung bräsige Unterhaltung. So pervertieren Presse- und Meinungsfreiheit ihre eigenen Ziele.
In meinen Bildern mache ich die verhängnisvolle Allianz des Schrecklichen mit dem Unterhaltsamen, von Konsum und Ausbeutung, von Gier und Gewalt, die unerträgliche Gleichzeitigkeit von Genuss und Grauen, von Überfluss und Not usw. sichtbar. Sie zeigen die erschütternden Seiten einer Freiheits-Ideologie, die alles legitimiert und ihre Antagonismen durch perfekt ästhetisierte Kommunikation unkenntlich macht.

Escape
Du sollst dir ein Bild machen

Der routinemäßige Konsum fotorealistischer Szenen von Flüchtenden legt nahe, die Verantwortung auf eine abstrakte politisch-gesellschaftliche Ebene zu projizieren. Meine Digitalgrafiken sind deshalb ein Versuch, die Reportagen des Flüchtlingselends, so zu dekonstruieren, dass Betrachter aus der Rolle der Medienkonsumenten heraustreten und eine aktive, produktive Rolle einnehmen können. Indem meine Bilder aus den Massenszenen Einzelschicksale herauslösen und diese verfremden, können sich Betrachter selbst ein Bild machen. Ihr Fokus verschiebt sich auf den persönlichen Aspekt: „Was sehe ich und was löst dieses Bild in mir aus? Mitleid, Abwehr, Ratlosigkeit oder die Frage nach Mitverantwortung und den Impuls zu handeln?"

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